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Fahrradhaus Krauß
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Ergonomie

Mit dem Patria-Velochecker zum Massfahrrad
 

Die richtige Anpassung eines Fahrrades an seinen Fahrer entscheidet  wesentlich über den Fahrspaß und über die dadurch mögliche  Leistungsfähigkeit auf dem Rad.

Rahmen-Messgeräte sind im Fahrradgeschäft nichts Neues, aber nur wenn man die ergonomischen Bedingungen des Radfahrens genau kennt und  entsprechend berücksichtigt, wird aus den gewonnenen Daten auch wirklich das passende Rad.

Mit dem Velochecker von PATRIA gibt es zum ersten Mal ein Werkzeug, ein Rad schon vor dem Kauf optimal passend zu gestalten und somit  Einfluss auf die zukünftigen Abmessungen zu nehmen.

Dass wir mit der Rubrik "Ergonomie" dieses Wissen exakt vermitteln und transparent machen, unterscheidet die Arbeit mit dem Velochecker von den meisten anderen auf dem Markt befindlichen Mess-Systemen.


Rahmenhöhe

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Der Velochecker ist so gestaltet, dass die Maße aus der PATRIA-Rahmentabelle mit Hilfe der aufgeprägten Skalen einstellbar sind. Zusätzlich können  auch die verschiedenen Sitzrohrwinkel realisiert werden. Da die Sitzposition auf dem Fahrrad wesentlich von der Wahl der Lenkerform geprägt ist, können auf dem Velochecker verschiedene Lenker ausprobiert werden.

Die Arbeit mit dem Velochecker fängt an, wenn Sie sich für ein  bestimmtes Rad aus dem PATRIA-Angebot entschieden haben. Die Modell-Auswahl kann am ehesten über den Einsatzzweck des zukünftigen Rades erfolgen. Dabei sollten ihre bevorzugte Fahrweise und ihre Sitzhaltung bereits in groben Zügen berücksichtigt sein.

Wir haben jedem Fahrradmodell im Katalog eine Sitzhaltung zugeordnet. Letztendlich bestimmen aber Ihre individuellen Körperproportionen die optimale Modellauswahl.

Wenn Sie sich für ein Modell entschieden haben, wird als erstes die Rahmenhöhe bestimmt. Mit der Rahmenhöhe wird üblicherweise auch die gesamte Abmessung festgelegt.

Es kann daher sein, dass Sie von der eher theoretischen Rahmenhöhe abweichen müssen, weil andere ergonomische Gesichtspunkte, z.B. die Rahmenlänge, wichtiger sind.

Die Rahmenhöhe ist in erster Linie abhängig von der Beinlänge. Bei Diamantrahmen (z.B. Herren-Trekking-Rad) sollte die Rahmenhöhe so  gewählt sein, dass Sie, wenn Sie über dem Oberrohr stehen, noch  mindestens 2-3 Fingerbreit Luft haben.

Wenn Sie eine gefederte Sattelstütze eingeplant haben, sollte  die Rahmengröße evtl. kleiner gewählt werden, da die gefederte  Sattelstütze etwas mehr Platz braucht. Die notwendige Rahmenlänge wird später bestimmt und gegebenenfalls korrigiert.
 

Sattelhöhekniewinkel1kniewinkel2

Die korrekt eingestellte Sattelhöhe soll Ihnen ein ermüdungsfreies Fahren  gewährleisten. Das Mindestmaß für die Sattelhöhe ist die Einstellung,  bei der sie mit durchgestrecktem Bein die Ferse auf die unten stehende  Pedale stellen können. [Bild1]

Diesen Test sollten sie unbedingt in der von Ihnen angestrebten  Fahrhaltung durchführen (z.B. geneigte Sitzposition) weil sich die Höhe des Hüftgelenks mit der Stellung des Beckens auf dem Sattel ändert (bei  Männern mehrere Zentimeter).

Ein zu tief eingestellter Sattel kostet unnötig Kraft und kann das  Kniegelenk schädigen. Wenn Sie nach einiger Eingewöhnungszeit auf ihrem  neuen Rad das Gefühl haben, eine andere Sattelhöhe wäre besser, dann scheuen sie sich nicht, diese auszuprobieren.
 

Fußposition

Um die  korrekte Sattelhöhe zu testen, setzen sie die Füsse mit dem Vorfuß  (Fußballen) auf die Pedale und treten locker rund. Wenn der Fuß die  unterste Pedalstellung durchläuft, dann sollte keine Beckenbewegung zu  bemerken sein. Ein Absinken des Beckens in diesem Moment zeigt eine zu hohe Sattelposition an. Der Sattel sollte tiefer eingestellt werden.

Sind sie es gewohnt, mit dem Mittelfuß oder der Ferse zu treten? Dann haben sie lange zu tief eingestellte Fahrräder gefahren. Da die fast  vollständige Beinstreckung beim Radfahren für ein effektives Arbeiten  der Muskeln wichtig ist, versuchte der Körper, den Abstand Sattel-Pedale zu verbessern, indem weniger Fußlänge eingesetzt wurde.

Warum soll mit dem Vorfuß auf der Pedale getreten werden? Wenn mit dem Vorfuß getreten wird, kann das Fußgelenk (Sprunggelenk) sich seitlich bewegen. Diese seitliche Bewegung ist wichtig, um die ebenfalls seitliche  Bewegung des Kniegelenks wieder aufzufangen, denn das Kniegelenk ist nicht einfach nur ein Scharnier.

Das Kniegelenk ist etwas schräg, so dass beim Anwinkeln der Beine  eine seitliche Bewegung stattfindet. Wenn die Fußposition (Mittelfuß oder Ferse auf der Pedale) keine seitliche Bewegung im Sprunggelenk  zuläßt, wird das Knie gezwungen, die seitliche Bewegung so gering wie  möglich zu halten. Auch das kann Knieprobleme hervorrufen
 

Kniewinkel und Kurbellänge

Nach der richtig eingestellten Sattelhöhe wird der Kniewinkel getestet. Wenn das Pedal die oberste Stellung erreicht, ist der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel am kleinsten. Die obere Pedalstellung ist der Anfang des Bereichs, in dem durch die Streckung des Beines die meiste Kraft zum Antreiben des Fahrrades aufgebracht wird. Wenn in diesem  Moment der Kniewinkel kleiner als 90° ist, dann wird die Kniescheibe mit übermäßig hoher Last gegen die Gelenkflächen gedrückt. Knieprobleme  sind vorprogrammiert. Sobald der Winkel größer als 90° ist, ist das  Problem entschärft (Bild 2).

Der Kniewinkel wird durch die Länge der Pedalkurbeln bestimmt. Die Kurbellänge sollte daher maximal ein Fünftel der Beinlänge  betragen, sonst wird der Kniewinkel zu eng. Die Standardkurbellänge  beträgt 170 mm und ist daher für die meisten Menschen mit einer  Beinlänge von mindestens 80cm geeignet (Körpergröße ab ca. 170 cm). Kleineren Personen empfehlen wir, kürzere Kurbeln zu fahren.

Zu kurze Kurbeln sind kein Problem! (Die meisten Menschen, die größer als 190cm sind, fahren rein theoretisch zu kurze Kurbeln.)

Viele Menschen, die kleiner als 170 cm sind, neigen dazu, relativ hohe Sattelpositionen zu fahren. Das ist tatsächlich ein Kompromiss. Bei  hoher Satteleinstellung wird in der tiefsten Pedalposition mit stark  gestrecktem Fuß gefahren, was die meisten Menschen nicht stört, dafür ist der Kniewinkel in der obersten Pedalposition entschärft. Trotzdem  sollte man nach Möglichkeit kürzere Kurbeln vorziehen, was mittlerweile bei Schaltungen mit 1-fach Kettenblatt möglich ist.


Position zum Tretlager

Sollten sie festgestellt haben, dass sie kürzere Kurbeln brauchen, muss das bei  der weiteren Betrachtung der Sitzgeometrie berücksichtigt werden.  Kürzere Kurbeln erfordern eine entsprechend höhere Sattelhöhe  (Kurbellänge 160 mm = Plus 1 cm, bei Kurbellänge 152 mm = Plus 1,8 cm).  Auf das untenstehende Pedal kann man einen Distanzkörper entsprechender  Dicke legen.

Wie gut die Kraft beim Radfahren eingesetzt wird, hängt nicht nur von der richtigen Sattelhöhe ab, sondern auch von der Sattelposition  gegenüber dem Tretlager. Wer zu weit hinter dem Tretlager sitzt, schiebt das Pedal nach vorne, statt es mit dem eigenen Körpergewicht nach unten zu bewegen (Körperschwerpunkt über dem Tretlager).

Die richtige Sattelposition wird mit Hilfe des Knielots bestimmt. Das Knielot ist eine (gedachte) Senkrechte, die bei waagerechter Kurbelposition vor der Kniescheibe entlang läuft und im Idealfall direkt über dem  Großzehen-Grundgelenk und somit auf die Pedalachse zeigt (Bild 3). Ist das Knielot zu weit vorne, muss der Sattel in seiner Halterung  entsprechend nach hinten geschoben werden. Ist das Knielot zu weit  hinten, wird der Sattel nach vorne geschoben. Wenn die Sattelverstellung nicht ausreicht, kann man den Rahmen mit einem anderen Sitzrohrwinkel bauen.

Bei einer sehr sportlichen Fahrweise und Sitzposition, bei der die Lenkerhöhe 10- 13 cm unter Sattelhöhe liegt, sollte das Knielot 2-3 cm  vor die Pedalachse zeigen, weil sich dadurch der Winkel zwischen  Oberschenkel und Oberkörper weiter öffnen kann. Eine Öffnung des  Oberkörperwinkels bei sportlicher Sitzposition verbessert die Atmung und die Blutversorgung der Beine.

Ein zu flach gewählter Sitzwinkel führt dazu, dass die Oberschenkelmuskulatur nicht mehr im Gleichgewicht arbeitet, sondern  die Oberschenkel-Rückseite stärkeren Zug ausübt. Dadurch wird, wenn keine Abstützung vorhanden ist, das Becken nach hinten gekippt, was zu  einer Rundrückenhaltung und zu Beschwerden in der Halswirbelsäule führen kann.

Wenn die Antriebsposition (Sattelhöhe und Sattelposition) stimmt, kann mit der Einstellung der Sitzposition begonnen werden.

Die Sattelposition darf, wenn sie einmal auf den Fahrer eingestellt ist,  nicht mehr zugunsten des Abstandes Sattel-Lenker verändert werden. Die  Sattelposition ist für einen effektiven Antrieb unerlässlich.
 

Holland-Sitzhaltunghollandkomfort

Wer eine betont aufrechte Sitzhaltung bevorzugt, oder aus gesundheitlichen  Gründen empfohlen bekommen hat, sollte darauf achten, dass die Arme in  diesem Falle nicht zum Abstützen des Oberkörpers verwendet werden  sollen. Das bedeutet, dass sich die Hände relativ tief und dicht am Körper befinden sollten.

Das ist die klassische Hollandradposition (Bild 4). Der Oberkörper wird durch diese Handhaltung nicht in seiner Balance gestört, sondern gefordert, so dass die Rückenmuskulatur, ähnlich wie beim Reiten oder beim aufrechten Gang, aktiv bleiben muss.

Die Wirbelsäule hat bei dieser Haltung die natürliche S-Form und ist  dadurch in der Lage, Stöße optimal abzufedern. Ein gut gefederter Sattel oder eine gefederte Sattelstütze kann hier von Vorteil sein.

Als Test sollte man die Hände öffnen und vom Lenker lösen. Wenn die Hände vorher locker auf den Griffen gelegen haben, wird sich der Oberkörper dabei kaum bewegen.

Sollte der Oberkörper jedoch €”automatisch” seine Position verändern, um die Last zu tragen, war die Lenkerposition noch nicht optimal. Der Lenker muss dann möglicherweise noch tiefer und dichter an den Fahrer heran gebracht werden. Das erreicht man entweder mit einem kürzeren Vorbau oder mit einem entsprechend anders gestalteten Lenker.

Wenn der erneute Test keine Veränderung der Oberkörperhaltung mehr mit sich bringt, ist für die Holland-Sitzposition die Arbeit mit dem Velochecker an diesem Punkt beendet.
 

Geneigte Sitzhaltunglordoseabstand

Bei den geneigten Sitzhaltungen ist die S-Form der Wirbelsäule ebenso  entscheidend für die entspannte und rückenschonende Haltung auf dem  Rad.

Oberhalb des Beckens, im Bereich der Lendenwirbelsäule, ist der Rücken nach innen gewölbt und es entsteht die Lendenlordose (Hohlkreuz). Ohne diese natürliche  Lendenlordose ist die weitere S-Form der Wirbelsäule nicht möglich. Die Lendenlordose ermöglicht den Rückenstrecker-Muskeln, den Oberkörper in geneigter Position zu halten, ohne dass man sich dabei auf den Händen abstützen muss. Die mögliche  Neigung des Oberkörpers ist stark vom Trainingszustand dieser Rückenmuskeln abhängig.

Bei schwacher Muskulatur empfiehlt es sich, eine höhere Lenkerposition zu wählen, die jedoch nicht mehr als 15 cm über der Satteloberfläche liegt. Je besser die Rückenmuskulatur trainiert ist, desto tiefer kann die Lenkerposition gewählt werden. (Bild 5: 1.= Allround , 2.= Dynamik, 3.= Sport Position)

Die gestreckte Rückenhaltung kann nur beibehalten werden, wenn die  Hände anschließend  an der richtigen Stelle den Lenker vorfinden. Wichtig ist hierbei, dass bei gestrecktem (S-förmigen) Rücken, zwischen  Oberkörper und Oberarmen ein rechter Winkel entsteht. Nur mit  diesem rechten Winkel können die Oberarme zusammen mit der Schultermuskulatur genügend Stützkraft aufbringen. (Bild 6)

Wird dieser Winkel durch einen zu kleinen Lenker-Sattel-Abstand kleiner (Bild 7a), dann versucht der Körper diesen Winkel mit Gewalt einzustellen, indem der Schulterbereich nach hinten weggedrückt wird (Bild 7b). Ein passender Vergleich hierzu wäre, Liegestützen mit nach hinten  gestellten Armen auszuführen. Das ist extrem anstrengend und man versucht dabei, durch ein Hochwölben der Schulter die Position wieder zu entschärfen.

Wenn die Schulter nach hinten gedrückt wird, muss der Kopf in den Nacken gelegt werden, die Arme werden durchgestreckt und die Lendenlordose wird aufgehoben. Die Rückenmuskulatur kann den Oberkörper nicht mehr tragen und die Last muss von den Armen und Händen getragen werden.

Unglücklicherweise entsteht bei so einer Kompensationshaltung immer der Eindruck, dass das Fahrrad zu lang sei, weil man ja mit gestreckten Armen sitzt und den Kopf in den Nacken legen muss. Genau das Gegenteil ist der Fall, wie in der Abbildung 7a + b zu sehen ist.

Radfahren in korrekter Haltung ist ein hervorragendes Training für die  Rückenmuskulatur. Die Rückenstrecker-Muskeln werden nämlich nicht nur durch die Haltearbeit am Oberkörper trainiert, sondern auch durch das Gegenhalten der Beinkraft und durch das Stabilisieren des Beckens.

Handgelenkprobleme sind Rückenprobleme.


Rahmenlängeabstand

Der Abstand zwischen Sattel und Lenker kann variiert werden, indem man  andere Vorbaulängen und/oder andere Lenker probiert. Wenn diese  Maßnahmen nicht ausreichen, dann kann das Rad auch auf Wunsch mit einer anderen Oberrohrlänge gebaut werden.

Wenn die Merkmale ”S-förmige Wirbelsäule” und “€žrechter Winkel” erfüllt sind, sollte man in der Lage sein, mit leicht angewinkelten Armen und ohne hohe Belastung der Hände auf dem Fahrrad zu sitzen. Wenn die Arme gestreckt werden und womöglich im Ellenbogengelenk “€žeinrasten”, ist das immer ein Zeichen dafür, dass zu viel Last auf den Händen liegt. Sollte das trotz der erfüllten Bedingungen der Fall sein, kann es bedeuten, dass die Rückenmuskulatur für diese Sitzposition noch nicht kräftig genug ist.

Der Lenker kann ein Stück höher gestellt werden. Wichtig ist dabei, dass der Abstand zwischen Sattel und Lenker sich dabei nicht verändert,  weil sonst der 90° Winkel nicht eingehalten werden kann.
 

Abschließender Test

Als abschließenden Test kann man noch mal in der angestrebten und eingestellten Sitzhaltung die Hände vom Lenker nehmen, indem man die  Hände öffnet und sie seitlich vom Lenker weg fährt. Kann man dabei  ruhig und mit gleichbleibender Oberkörperhaltung weiter in die Pedale treten, wird diese Sitzposition auch auf längeren Strecken durchzuhalten sein.

Wenn ihnen diese Position noch sehr neu ist, denken Sie daran, dass alle Körperhaltungen und Körperbewegungen erlernbar und trainierbar sind. Wichtig ist dabei, dass sie sich die Zusammenhänge immer wieder bewusst machen und dass Sie auch die Fehlhaltung erkennen können (runder Rücken!). Wenn sie regelmäßig Fahrrad fahren, werden Sie nach kurzer Zeit die korrekte Rückenhaltung verinnerlicht haben und Hand- und Rückenprobleme gehören der Vergangenheit an.

Beachten Sie, dass Sie für die korrekte Sitzhaltung einen gut passenden Sattel brauchen. Wenn Sie das Gefühl haben, sie können die S-förmige  Wirbelsäule beim Fahrradfahren nicht realisieren, weil Sie dann  Sattelprobleme bekommen, dann stellen sie probeweise die Sattelnase  5-10mm tiefer und kümmern Sie sich um einen passenderen Sattel. Ein falscher Sattel darf nicht der Grund für eine schlechte Sitzhaltung  sein, weil der Rücken darunter leiden würde.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite: http://www.richtigradfahren.de/